Kammersaal Einbeck: Ein kulturelles Wohnzimmer für neue Ideen
Kammersaal Einbeck: Ein kulturelles Wohnzimmer für neue Ideen
Was macht ein Kulturhaus nach 18 Jahren erfolgreicher Arbeit? Es stellt sich mutig auf den Prüfstand. Unter dem Motto „Die Idee und wie man mit-entwickeln kann“ lud Martin Keil, Leiter des Kammersaals Einbeck, kürzlich dazu ein, sich zunächst die Gründe für den Neuanfang an der Langen Brücke 1 skizzieren zu lassen und dann gemeinsam in einer Art Brainstorming neuen Ideen für den Kulturraum zu entwickeln und dadurch die Weichen für die nächsten zwei Jahrzehnte an der Langen Brücke 1 zu stellen. Gekommen waren gut 25 Kulturfreunde, die nach dem kurzweiligen etwa 15 minütigen Begrüßungsvortrag von Martin Keil schnell angeregt ins Gespräch verfielen.
Vom Bewährten zum Aufbruch
Die Wandlung von der ehemaligen „TangoBrücke“ zum „Kammersaal“ ist mehr als nur ein Namenswechsel. Es ist ein Bekenntnis zur Vielfalt. Ganz klar ist, dass die Kammermusik ein Herzstück des Hauses bleibt – von Klassik bis Jazz –, doch der Blick weitet sich. In der Begrüßung durch Martin Keil wurde deutlich, dass das Haus ein Ort für alle Generationen und Genres werden soll. Ob Konzertfreunde, Tangotänzer, Improtheater-Begeisterte oder bildende Künstler: Sie alle eint der Wunsch nach einem „kulturellen Wohnzimmer“ mitten in der Einbecker Innenstadt.
Ein Ort der Mitmacher
Dass der Kammersaal bereits heute von bürgerschaftlichem Engagement lebt, zeigen Gruppen wie die Theaterformationen Amanti und Crème frech unter der Leitung von Dr. Rolf Bartels, die autarke Tangoszene oder die regelmäßigen Spieleabende. Diese Kultur des „Selbermachens“ bildete das Fundament für den kreativen Workshop-Teil des Abends. Ohne Schranken im Kopf wurden Wünsche auf Post-its gesammelt, die das enorme Potenzial des Hauses widerspiegeln.
Ein bunter Strauß an Visionen
Die gesammelten Ideen lassen auf ein lebendiges experimentelles Programmjahr 202 hoffen. Besonders laut wurde der Ruf nach Angeboten für Kinder: Von einem Kinder-Improtheater über Detektiv-Clubs bis hin zu Konzerten „von Kindern für Kinder“ zum Beispiel in Kooperation mit den Einbecker Musikschulen reichten die Vorschläge. Auch der Wunsch nach ungezwungener Geselligkeit im Kammersaal kam nicht zu kurz: Ein Getränkekühlschrank im Saal soll kurzfristig beschafft werden und Formate wie Tabletop-Rollenspiele, Bingo-Abende, ein Table Quiz oder ein „Cocktail Língua“ könnten das Haus in einen modernen Kultursalon verwandeln.
Die kreative Bandbreite reichte noch weiter: Handarbeits-Treffs unter den prächtigen Kronleuchtern, eine After-Christmas-Tauschbörse, eine Benefizauktion oder gar eine Dragqueen-Show wurden als wünschenswerte Angebote notiert. Auch Nischenthemen wie ein Philosophie-Café, Star-Abende über Ikonen wie Romy Schneider oder experimentelle Formate wie „Klangzeichnen“ fanden ihren Platz auf der Wunschliste.
Infrastruktur und Gastfreundschaft
Im Kontext der neuen Angebotswünsche blieb auch der Blick für die Realität geschärft. Ein Kulturraum braucht nicht nur eine schönen Einrichtung, sondern vor allem auch wechselnde Gastgeber, die für eine Willkommenskultur bei den verschiedenen Angeboten sorgen. Zudem steht die bauliche Modernisierung an: Die Pläne für barrierefreie Sanitäranlagen sind bis zur Antragsreife gediehen, benötigen aber für die Umsetzung noch Kraft und weitere Mitstreiter.
Fazit: Die Tür steht offen
Der Abend hat eines eindrucksvoll bewiesen: In Einbeck gibt es eine enorme Lust am Gestalten. Der Kammersaal versteht sich als offener Raum, in dem aus einer flüchtigen Idee ein festes Angebot erwachsen kann. Es sind die Menschen, die als Initiatoren und Macher auftreten, die das kulturelle Leben der Stadt bereichern.
Wer Lust hat, dieses „Wohnzimmer“ mitzugestalten oder als Gastgeber aktiv zu werden, ist herzlich willkommen. Die Zukunft an der Langen Brücke 1 hat gerade erst begonnen. Die Onlinepräsenz des Kulturraumes Kammersaal findet sich unter www.kammersaal.de
Annett Steinberg und Bernd Grupe, die als Vertreter des Vorstandes unseres Trägerverereins „Konzert- und Kulturfreunde Einbeck e.V.“ dem kreativen Entwicklungstreffen beiwohnten, merkten am Ende des Treffens an, dass ein solches Entwicklungstreffen eine Wiederholung erfahren sollte, worauf sie breite Zustimmung von allen Anwesenden ernteten.















































